Fruchtsaft in verschiedenen Lebensphasen – Für Schwangere

KERNPUNKTE

• Eine unkomplizierte Möglichkeit, während der Schwangerschaft wichtige Nährstoffe, wie beispielsweise Folat, aufzunehmen.
• Ein Glas Orangensaft mit 150 ml enthält 52 % des von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) angegebenen Referenzwerts für Vitamin C und 6 % des Referenzwerts für Folat.
• Vitamin C erhöht die Eisenaufnahme.
• Fruchtsaft versorgt den Körper zudem mit Flüssigkeit und kann somit den Wasserhaushalt unterstützten.
• In vielen Ländern, so auch in Deutschland, gilt ein Glas Fruchtsaft als eine Portion Obst und kann folglich gelegentlich dazu beitragen, die empfohlene Menge Obst und Gemüse zu erreichen.

NÄHRSTOFFBEDÜRFNISSE UND DAMIT EINHERGEHENDE HERAUSFORDERUNGEN

Aufgrund des erhöhten Bedarfs an Vitaminen und Mineralstoffen (z. B. Folat) ist es während der Schwangerschaft noch wichtiger als sonst, sich bewusst und vollwertig zu ernähren. Zu den besonderen Herausforderungen dabei gehören z. B.:

Übelkeit – Besonders im ersten Drittel einer Schwangerschaft leiden viele Frauen unter Übelkeit und Erbrechen, sodass sie sich weniger regelmäßig und ausgewogen ernähren können.

Folatspiegel – Die meisten Frauen nehmen vor der Schwangerschaft keine zusätzliche Folsäure ein, was jedoch empfohlen wird, um Neuralrohrdefekten entgegenzuwirken.[1] Einer britischen Studie zufolge wiesen 75 % aller Frauen im gebärfähigen Alter einen niedrigen Folatspiegel auf.[2]

Eisenstatus – Die größere Blutmenge und der erhöhte Eisenbedarf während der Schwangerschaft können zu einem unzureichenden Eisenstatus führen. Dieser verursacht wiederum Müdigkeit und Erschöpfung. Einer Studie[3] zufolge verfügen nur 20–35 % aller europäischen Frauen im gebärfähigen Alter über ausreichende Eisenspeicher, um ohne zusätzliche Eisengaben durch eine Schwangerschaft zu kommen.

Wasserhaushalt – Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit empfiehlt schwangeren Frauen, täglich 300 ml Flüssigkeit zusätzlich zu sich nehmen. Bei stillenden Frauen sind es sogar 700 ml zusätzlich.[4] Bei Übelkeit wird häufig zu wenig Flüssigkeit aufgenommen, was zu einem Wassermangel und Darmträgheit führen kann.

Omega-3-Fettsäuren – Diese sind wichtig, damit sich Gehirn und Augen des Fötus richtig entwickeln können.[5]Allerdings steht der Hauptlieferant – fetter Fisch – bei den meisten Menschen nicht häufig genug auf dem Speiseplan.

FRUCHTSAFT: DER NUTZEN IN DER SCHWANGERSCHAFT

Orangensaft wird durch das Zerkleinern und Auspressen von Früchten hergestellt. Die Nährstoffzusammensetzung entspricht also in etwa jener der verarbeiteten Ausgangsfrüchte. Dabei sind die Nährstoffwerte von Saft aus Konzentrat und Direktsaft vergleichbar. Unabhängig vom jeweiligen Herstellungsverfahren verbietet das europäische Recht, dass Fruchtsaft Zucker oder andere Zusatzstoffe zugesetzt werden.[6] Er enthält ausschließlich den fruchteigenen Zucker.

Fruitjuicematters

Rechts ist die Nährstoffzusammensetzung von Orangensaft pro 100 ml aufgeführt. Ein 150-ml-Glas enthält rund 60 kcal (Kalorien), 13,6 g Zucker natürlichen Ursprungs und 55 mg Vitamin C.

Den von der EU zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben zufolge spielen die in Fruchtsaft enthaltenen Nährstoffe (blau markiert) eine anerkannte Rolle beim Erhalt der Gesundheit.[5]

• Vitamin C trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress sowie einer normalen Funktion des Immunsystems bei.

• Vitamin C trägt zudem zur Kollagenbildung für gesunde Zähne und Zahnfleisch bei. Während der Schwangerschaft besteht ein erhöhtes Risiko für Zahnfleischprobleme und Karies.

• Folat trägt zum Wachstum des mütterlichen Gewebes in der Schwangerschaft bei und hilft zudem, Müdigkeit und Ermüdung zu verringern. Der Konsum von Fruchtsaft ersetzt nicht die vor der Geburt erforderlichen Multivitaminpräparate. Das in Orangensaft enthaltene Folat besitzt nachweislich eine hohe Bioverfügbarkeit.[7]

• Kalium ist für eine normale Muskelfunktion und einen normalen Blutdruck wichtig.

Bedenken, Fruchtsaft aufgrund seines (natürlichen) Zuckergehalts zu empfehlen, werden durch die Ergebnisse randomisierter kontrollierter Studien nicht gestützt. Diese ergaben Folgendes:

• Orangensaft hat einen glykämischen Index (GI), der mit dem ganzer Orangen vergleichbar ist (50 gegenüber 43). Beide GI-Werte werden als gering eingestuft.[8] Darüber hinaus hat Fruchtsaft laut einer Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien keine signifikanten Auswirkungen auf die Blutzuckerkontrolle, die Insulinempfindlichkeit oder das Risiko für Typ-2-Diabetes.[9] Auch gibt es keine Hinweise dafür, dass der Konsum von Fruchtsaft Auswirkungen auf das Risiko eines Schwangerschaftsdiabetes hat.

• Orangensaft wirkt sich deutlich vorteilhafter auf die Fettmasse und den Blutzuckerspiegel aus als zuckerhaltige Softdrinks.[10]

• Selbst bei täglichem Verzehr beeinflusst Orangensaft weder das Körpergewicht noch den Körperfettanteil. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass der regelmäßige Verzehr eines kleinen Glases Fruchtsaft zu einer übermäßigen Gewichtszunahme in der Schwangerschaft führt.

FRUCHTSAFT IN DIE ERNÄHRUNG EINBINDEN

In vielen Ländern, so auch in Deutschland, zählt ein kleines Glas Fruchtsaft als eine Portion Obst und kann somit gelegentlich dazu beitragen, die empfohlene Tagesmenge an Obst und Gemüse zu erreichen.

Da Vitamin C die Bioverfügbarkeit von Nicht-Häm-Eisen (z. B. aus Haferflocken, Linsen oder grünem Blattgemüse) verbessert, werden Fruchtsäfte idealerweise zu den Mahlzeiten konsumiert. Die Rolle, die Vitamin C in dieser Hinsicht spielt, ist von so großer Bedeutung, dass Fachausschüsse diesen Einfluss bei der Ausarbeitung von Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr berücksichtigt haben.[12][13]

Da Fruchtsaft zu 90 % aus Wasser besteht, trägt er zu einer ausreichenden Versorgung des Körpers mit Flüssigkeit bei. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass Fruchtsaft Darmträgheit und morgendlicher Übelkeit entgegenwirken kann.

Quellen:

[2] Bates B et al. (2015)

NDNS Supplementary report: blood folate results for the UK as a whole, Scotland, Northern Ireland (years 1 to 4 combined) and Wales (years 2 to 5 combined). London

[3] Milman N et al. (2017)

Iron status in pregnant women and women of reproductive age in Europe. Am J Clin Nutr 106: 1655-1662.

[7] Franke AA et al. (2005)

Bioavailability and antioxidant effects of orange juice components in humans. J Agric Food Chem 53: 5170-8.

[8] Atkinson RD et al. (2008) International Tables of Glycemic Index and Glycemic Load Values. Diabetes Care 31: 2281-2283.

Atkinson RD et al. (2008) International Tables of Glycemic Index and Glycemic Load Values. Diabetes Care 31: 2281-2283.

[9] Murphy MM et al. (2017)

100% Fruit juice and measures of glucose control and insulin sensitivity: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. Journal of Nutritional Science 6 (e59): 1-15.

[10] Büsing F et a. (2018)

Büsing, F., Hägele, F.A., Nas, A., Döbert, L.-V., Fricker, A., Dörner, E., Podlesny, D., Aschoff, J., Pöhnl, T., Schweiggert, R., Fricke, W.F., Carle, R., Bosy-Westphal, A. High intake of orange juice and cola differently affects metabolic risk in healthy subjects; in: Clinical Nutrition (2018), DOI 10.1016/j. clnu.2018.02.028

[11] Ribeiro C et al. (2017)

Ribeiro C et al. (2017) Orange juice allied to a reduced-calorie diet results in weight loss and ameliorates obesity-related biomarkers: A randomized controlled trial. Nutrition 38: 13–19

[12] World Health Organization (2001).

Iron Deficiency Anaemia Assessment, Prevention, and Control. A guide for programme managers. WHO/NHD.

[13] EFSA (2015)

Scientific Opinion on Dietary Reference Values for iron. EFSA J 13:4254, 115 pp.