23 Oktober 2018 - Europaweite Studie von IPSOS zeigt Expertenmeinungen zu Fruchtsaft

Europaweite Umfrage: Widersprüchliches Verhalten von Ernährungsexperten bei der Empfehlung von Orangensaft im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung

Eine europaweite Umfrage unter 2.099 Ernährungswissenschaftlern, Ernährungsberatern, Allgemein- und Kinderärzten zeigt: Obwohl die große Mehrheit der Ernährungsexperten Orangensaft grundsätzlich für empfehlenswert hält, raten deutlich weniger von ihnen zu einem regelmäßigen Verzehr. Kritisch zeigen sich dabei auch die Experten aus Österreich. Gleichzeitig bestehen Wissenslücken zum Thema Orangensaft.

Abbildung 1: Zusammenfassung der Ansichten der Ernährungsexperten zu verarbeitetem Orangensaft

Die Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) bestätigt in ihren „10 Ernährungsregeln der ÖGE“, dass ein Glas Fruchtsaft gelegentlich eine Portion Obst oder Gemüse ersetzen kann, um den empfohlenen Tagesbedarf an Obst und Gemüse zu erreichen (1).

In der vom Marktforschungsinstitut IPSOS durchgeführten Umfrage bestätigen 57 % der befragten Experten aus Österreich diese Ansicht (Europa 69 %) und 46 % der Befragten (Europa 59 %) empfehlen ihren Patienten den Verzehr von Orangensaft. 46 % (Europa 46 %) raten zu einer Reduzierung oder sogar zum Verzicht von Orangensaft. Und das, obwohl über 80 % der Befragten sowohl auf österreichischer als auch auf europäischer Ebene Orangensaft für eine wichtige Vitaminquelle halten. Als Grund für diese Reduzierungsempfehlung führen rund 59 % der Ernährungsexperten aus Österreich gesundheitliche Bedenken an, 11 % mehr als der europäische Durchschnitt. 23 % der Experten aus Österreich, die eine Reduzierung empfehlen, fürchten eine Begünstigung von Diabetes mellitus Typ 2, mit 15 % die Entstehung von Übergewicht. Und über 80 % der österreichischen und europäischen Experten denken, dass Orangensaft zu einem hohen Zuckerspiegel beitragen kann.

Abbildung 2: Bedenken bezüglich des Nutzens von Fruchtsaft werden durch die falsche Vorstellung, dass Fruchtsaft hinzugesetzten Zucker enthält, beeinflusst

Gleichzeitig offenbaren sich gerade auf österreichischer Ebene große Unsicherheiten und Wissenslücken zum Thema Orangensaft. So stimmen nur 56 % der befragten Ernährungsexperten aus Österreich der korrekten Aussage zu, dass Orangensaft ausschließlich aus dem Saft der gepressten Früchte besteht, rund 10 % unter dem europäischen Durchschnitt. Nur 42 % der österreichischen Experten wissen, dass Orangensaft keinen zugesetzten Zucker enthält (Europa 53 %). Und lediglich ein Viertel der Befragten – sowohl in Österreich als auch in Europa – wussten, dass Orangensaft keine Konservierungsstoffe enthält. Wie lassen sich also diese teils widersprüchlichen Ansichten hinsichtlich Orangensaft erklären?

Ernährungswissenschaftlerin Carrie Ruxton (PhD), die für die Initiative „Fruit Juice Matters“ die IPSOS-Umfrage ausgewertet hat, sieht hier als eine mögliche Begründung unter anderem die aktuell geführte Debatte um zuckerhaltige Lebensmittel: „Fruchtsaft, ein Lebensmittel, das aufgrund seines Gehalts an Vitamin C und Folat immer als positiv bewertet wurde, wird inzwischen wegen der gestiegenen Aufmerksamkeit hinsichtlich Zucker kritisch betrachtet.“ Doch einen wissenschaftlich nachweisbaren Zusammenhang zwischen Frucht- und insbesondere Orangensaft und der Entstehung von Übergewicht oder Diabetes mellitus Typ 2 gibt es nicht. Umso wichtiger ist aus ihrer Sicht, die Wissenslücken um Orangensaft und Fruchtsaft generell zu schließen. „Mehr Wissen über die natürliche Zusammensetzung von Fruchtsaft, insbesondere das Fehlen von zugesetztem Zucker oder Konservierungsstoffen, könnte die Perspektive der Ernährungsexperten ändern. Eine verbesserte Kenntnis der Literatur zu den möglichen metabolischen Auswirkungen des regelmäßigen Verzehrs von Fruchtsaft könnte dabei ebenfalls hilfreich sein.“, so Carrie Ruxton.

Dr. Ruxton arbeitet freiberuflich für Fruit Juice Matters, um Inhalte zu erstellen und zur wissenschaftlichen Fachliteratur zu beraten.

Quellen:

(1): Österreichische Gesellschaft für Ernährung: Die 10 Ernährungsregeln der ÖGE: https://www.oege.at/index.php/wissenschaft-forschung/empfehlungen/2-uncategorised/1126-empfehlungen-10-regeln-dge, abgerufen am 26.11.2018