Nährstoffe in 100% Fruchtsaft sind bioverfügbar
26/04/2018

Gemäß den EU-Bestimmungen wird 100% Fruchtsaft nichts entzogen oder zugesetzt, weshalb er den Nährstoffgehalt der jeweiligen Ausgangsfrucht widerspiegelt.[1] In Abbildung 1 wird die Nährstoffzusammensetzung von 100% Orangensaft (100% OS) pro 100 g ausgewiesen. Die rot dargestellten Werte stehen dabei für die Claims der offiziellen ‚Herkunft ‘, die auf der Verpackung angegeben werden dürfen.

 

Abbildung 1

 

Neben diesen Nährstoffen enthält 100% Fruchtsaft Carotinoide (Lutein und Cryptoxanthin), Polyphenole (Hesperidin und Narirutin aus der Flavonen Gruppe) sowie Pektin.

 

Bioverfügbarkeit und Funktionen von bioaktive Substanzen im Körper

Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung ist die Bioverfügbarkeit eine wichtige Messgröße, die den Anteil eines Nährstoffs, der vom Körper aufgenommen und verwertet wird, erfasst. So hat die Kombination von 100% Fruchtsaft mit anderen gesunden Lebensmitteln ebenfalls Einfluss auf die Bioverfügbarkeit.

 

Spinat enthält beispielsweise reichlich Eisen. Aufgrund natürlicher Verbindungen, wie zum Beispiel Oxalsäure, werden allerdings weniger als 10% davon vom Körper aufgenommen.[2] Bestimmte Lebensmittel und Nährstoffe sind jedoch in der Lage, die Bioverfügbarkeit zu optimieren. Im Beispiel von Spinat lässt sich die Eisenaufnahme durch den gleichzeitigen Verzehr von einem Glas 100% Fruchtsaft erhöhen. Die potentiell positiven gesundheitlichen Auswirkungen der in 100% Fruchtsaft enthaltenen bioaktiven Substanzen wurden auch durch diverse Studien bestätigt. Im Zuge einer Kontrollstudie mit Diabetes Patienten konnten oxidative DNA-Schädigungen und Lipidperoxidation durch Hesperidin verringert werden.[3] In einer anderen Untersuchung zeigte sich, dass ß-Cryptoxanthin Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin senkt und die Knochenumsatzmarker positiv verändert.[4] Beobachtet wurde auch, dass Lutein und Zeaxanthin die Sehkraft von an altersbedingter Makuladegeneration leidenden Patienten teilweise wiederherstellen können[5], während Zitrus-Flavonoide in der Lage sind, das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen zu verringern.[6]

 

Bioverfügbarkeit von 100% Orangensaft unter der Lupe

Im Rahmen einer Langzeitstudie[7] wurde die Bioverfügbarkeit der in 100% Orangensaft enthaltenen Nährstoffe und bioaktiven Substanzen untersucht. Drei Wochen lang tranken 13 gesunde, normalgewichtige Erwachsene täglich 235 ml Fruchtsaft, der 256 mg Vitamin C, 229 mg Hesperidin, 6 mg Carotinoide und 160 μg Folsäure enthielt. Im Vergleich zu den Ausgangswerten zeigten die Blutproben einen signifikanten Anstieg der Nährstoffkonzentrationen. So nahm beispielsweise die Konzentration an Vitamin C und Folsäure jeweils um etwa 50% zu, während der Carotinoid-Spiegel um 22% anstieg.

 

100% Orangensaft vs. frische Früchte

Aschoff et al. (2015)[8] verglichen die Bioverfügbarkeit von ß-Cryptoxanthin, Lutein, Zeaxanthin und Zeinoxanthin aus frischen Orangen (400 g) mit der aus pasteurisiertem 100% Orangensaft (719 g). Mithilfe eines randomisierten Crossover-Designs wurde zwölf Teilnehmern eine bekannte Menge an ß-Crypoxanthin verabreicht. Während der folgenden 10 Stunden wurden stündlich Blutproben genommen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Bioverfügbarkeit des ß-Cryptoxanthin aus 100% OS um 1,8-mal höher lag als in ganzen Orangen. Basierend auf einem separaten In vitro-Verfahren überstieg die Bioverfügbarkeit von in 100% OS enthaltenem ß-Cryptoxanthin jene des in ganzen Orangen enthaltenen Stoffes um das Fünffache (siehe auch die Angaben zu ß-Cryptoxanthin in der Tabelle unten. Eine vergleichbare, statistisch jedoch nicht signifikante Entwicklung zeigte sich auch bei Lutein):

 

Abbildung 2

 

 

Die Unterschiede sind möglicherweise darauf zurückzuführen, dass der hohe Pektingehalt in ganzen Früchten die Resorption erschwert. Auch könnten die im 100% OS zerstörten Zellwände zu einer vermehrten Freisetzung von ß-Cryptoxanthin führen.

 

Frischer und verarbeiteter Saft im Vergleich

Ein weiterer randomisierter Crossover-Versuch mit 24 Erwachsenen untersuchte die Auswirkungen von frischen und verarbeiteten Säften.[9] Getrennt durch eine 30-tägige Auswaschphase, wurden hier beide Saftvarianten jeweils zwei Tage lang verabreicht. Die entsprechenden Blut- und Urinproben ergaben keine statistischen Unterschiede hinsichtlich der Verstoffwechselung von Flavanonen, Hesperidin und Narirutin aus verarbeitetem bzw. frischem 100% Orangensaft. Aufgrund des unterschiedlichen Gehalts an Flavanonen (58 mg im verarbeiteten Saft gegenüber 16 mg im frischen), waren die Werte hinsichtlich der Aufnahme über den Darm und Ausscheidung über den Urin nach dem Verzehr von verarbeitetem 100% Orangensaft deutlich höher. Alles in allem ergab sich daraus eine um das 1,6-fach höhere Bioverfügbarkeit.

 

Abbildung 3

 

Conclusio

  • 100% Fruchtsaft - und insbesondere 100% Orangensaft - ist eine wertvolle Quelle für Nährstoffe und bioaktive Substanzen wie Carotinoide und Flavanone. Diese bioaktiven Substanzen sind in 100% Fruchtsaft bioverfügbar.
  • Verarbeiteter 100% Fruchtsaft weist bei Flavanonen eine vergleichbare Bioverfügbarkeit wie ganze Früchte auf.
  • Im Hinblick auf die Aufnahme und Verstoffwechselung von Flavanonen braucht verarbeiteter 100% Fruchtsaft den Vergleich mit frisch gepresstem Saft nicht zu scheuen, was nahelegt, dass er bei bioaktiven Substanzen vergleichbare Nährwerte aufweist.
  • Die Studien deuten darauf hin, dass die in Früchten enthaltenen bioaktiven Substanzen wichtig für den Erhalt der Gesundheit sein und das Risiko für bestimmte chronische Erkrankungen senken könnten.

 

 

[1] European Parliament and of the Council (2012) Fruit juice directive. http://eurlex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2012:115:0001:0011:EN:PDF.

[2] https://uamshealth.com/healthlibrary2/medicalmyths/spinach/

[3] Homayouni F et al. (2017) Hesperidin Supplementation Alleviates Oxidative DNA Damage and Lipid Peroxidation in Type 2 Diabetes: A Randomized Double-Blind Placebo-Controlled Clinical Trial. Phytother Res 31: 1539-1545.

[4] Granado-Lorencio F et al. (2014) Effect of β-cryptoxanthin plus phytosterols on cardiovascular risk and bone turnover markers in post-menopausal women: a randomized crossover trial. Nutr Metab Cardiovasc Dis 24: 1090-6.

[5] Liu R et al. (2014) Lutein and zeaxanthin supplementation and association with visual function in age-related macular degeneration. Invest Ophthalmol Vis Sci 56 :252-8.

[6] Cirmi S et al (2016) Neurodegenerative Diseases: Might Citrus Flavonoids Play a Protective Role? Molecules 21. pii: E1312.

[7] Franke AA et al. (2005) Bioavailability and antioxidant effects of orange juice components in humans. J Agric Food Chem 53: 5170-8.

[8] Aschoff JK et al. (2015) Bioavailability of β-cryptoxanthin is greater from pasteurized orange juice than from fresh oranges - a randomized cross-over study. Mol Nutr Food Res 59: 1896-904.

[9] Silveira JQ et al. (2014) Pharmacokinetics of flavanone glycosides after ingestion of single doses of fresh-squeezed orange juice versus commercially processed orange juice in healthy humans. J Agric Food Chem 62: 12576-84.

 

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