100% Fruchtsaft und ein gesunder Stoffwechsel
24/04/2018

Einleitung

Es besteht die Meinung, dass sich 100% Fruchtsaft (100%FS) aufgrund seines natürlichen Zuckergehalts, des geringen Ballaststoffanteils und aufgrund der flüssigen Darreichungsform negativ auf den Blutzuckerspiegel und das Körpergewicht auswirken könnte. Dafür gibt es jedoch keine soliden Beweise. In diesem Blogbeitrag werden aktuelle Studien zu diesen Themen geprüft und zusammengefasst.

 

Blutzuckerkontrolle

Kürzlich wurde eine Meta-Analyse1 mit den Ergebnissen aus 18 randomisierten kontrollierten Studien mit 960 erwachsenen Probanden durchgeführt. Dabei wurde der Einfluss von 100%FS auf Marker der Blutzuckerkontrolle untersucht. Viele der Teilnehmer waren übergewichtig oder zeigten Risikofaktoren für Stoffwechselerkrankungen wie Hypercholesterinämie oder Diabetes mellitus Typ 2 (T2DM).

Im Vergleich zu Kontrollen hatte 100%FS keinen signifikanten Einfluss auf den Nüchternblutzucker-, HOMA-IRa-, Insulin- oder glykosylierten Hämoglobinspiegel (ein Marker für Langzeitglukosespiegel). Dies lässt vermuten, dass die Auswirkungen von 100%FS auf die Blutzuckerkontrolle neutral sind.

 

Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Dass der Verzehr von Obst und Gemüse zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen kann, ist allgemein anerkannt. Mehrere wissenschaftliche Studien haben untersucht, ob deren Verzehr in Form von Getränken ähnliche Vorteile bietet.

Silveira und Kollegen2 führten einen achtwöchigen Versuch durch, bei dem die Probanden über die gesamte Versuchsdauer täglich 100% Blutorangensaft (enthält viel Lycopin) tranken. Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte sich bei dieser Population, dass der Orangensaftkonsum den Blutdruck senkte und die Insulinresistenz abnehmen ließ. Zudem zeigten sich Hinweise auf entzündungshemmende, antioxidative und lipidsenkende Effekte.

 

 Gewichtskontrolle

Es existiert die Auffassung, dass 100% Fruchtsaft zu Gewichtszunahme führen kann – eine Meinung, die von der wissenschaftlichen Literatur nicht unterstützt wird.

Bei einem kürzlich durchgeführten Versuch3 sollten 78 stark übergewichtige Patienten zwölf Wochen lang 500 ml 100% Orangensaft oder ein Kontrollgetränk trinken. Eine tägliche Orangensaftzufuhr von mehr als der doppelten in Europa empfohlenen Menge behinderte zwar die Gewichtsabnahme (Abbildung 2) nicht, steigerte jedoch die Aufnahme von Vitamin C um 62 % und von Folsäure um 39 %. Die Energieaufnahme blieb unbeeinflusst, während sich das Insulin- und Lipidprofil in der Gruppe, die Saft trank, gegenüber der Kontrollgruppe signifikant verbesserte.

Abbildung 2: Der tägliche Konsum von 500 ml Orangensaft über zwölf Wochen verhinderte nicht die Gewichtsabnahme4

 

Abbildung 2: Der tägliche Konsum von 500 ml Orangensaft über zwölf Wochen verhinderte nicht die Gewichtsabnahme14

Ein weiterer Versuch5, diesmal nicht randomisiert oder kontrolliert, ließ 25 normalgewichtige und 25 stark übergewichtige Probanden acht Wochen lang täglich 750 ml 100% Orangensaft trinken. „Zum Ende der Studie gab es keine statistisch signifikanten Veränderungen beim Körpergewicht, was auf eine Kompensierung der Kalorien aus dem Orangensaft hinweist. Positive Veränderungen sowohl in der Gruppe mit Übergewicht als auch in der mit Normalgewicht gab es bei Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, C-reaktivem Protein (einem Entzündungsmarker) und der antioxidativen Gesamtkapazität.

 

Schlussfolgerung

Diese Überprüfung weist darauf hin, dass 100%FS, insbesondere Orangensaft, in klinischen Studien mit folgenden Auswirkungen in Zusammenhang gebracht wurde:

  • Kein nachteiliger Einfluss auf Blutzucker- und Insulinspiegel und kein statistisch signifikanter Zusammenhang mit dem Risiko für T2DM
  • Verringerte Gesamtcholesterin- und LDL-Cholesterinwerte und höhere HDL-Cholesterinwerte
  • Der Konsum hat weder nachweislichen Einfluss auf die Körperzusammensetzung bei Erwachsen, noch auf eine Gewichtszunahme bei Kindern, nicht einmal bei übergewichtigen Erwachsenen, unabhängig davon, ob sie sich kalorienarm ernähren oder nicht.

 

Haftungsausschluss: Es wurden alle Anstrengungen unternommen, um sicherzustellen, dass die in diesem Dokument enthaltenen Informationen aus zuverlässigen Quellen stammen und überprüft worden sind. Die Informationen sind ausschließlich für nicht-gewerbliche Mitteilungen an medizinische Fachkräfte gedacht.
Die Angaben in diesen Unterlagen stellen keine Ernährungsempfehlungen dar.

 

Referenzen

  1. Murphy MM et al. (2017) 100% Fruit juice and measures of glucose control and insulin sensitivity: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. Journal of Nutritional Science 6 (e59): 1-15.
  2. Silveira JQ et al. (2015) Red-fleshed sweet orange juice improves the risk factors for metabolic syndrome. Int J Food Sci Nutr 66(7):830-6.
  3. Ribeiro C et al. (2017) Orange juice allied to a reduced-calorie diet results in weight loss and ameliorates obesity-related biomarkers: A randomized controlled trial. Nutrition 38:13-19.
  4. Aschoff JK et al. (2016) Urinary excretion of Citrus flavanones and their major catabolites after consumption of fresh oranges and pasteurized orange juice: A randomized cross-over study. Mol Nutr Food Res 60: 2602-2610.10.    Aptekmann NP & Cesar TB (2010) Orange juice improved lipid profile and blood lactate of overweight middle-aged women subjected to aerobic training. Maturitas 67(4):343-7,
  5. Grace KZS et al. (2015) Investigation of cytokines, oxidative stress, metabolic, and inflammatory biomarkers after orange juice consumption by normal and overweight subjects. Food & Nutrition Research 59: 2814712.            
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